FETE BERLIN: Könntet Ihr Euch als Musikort in Berlin kurz vorstellen?
Seebad Friedrichshagen: Das Seebad Friedrichshagen am Müggelsee ist kein klassischer Musikstandort. Im Sommer bestimmt der familiäre Badebetrieb das Geschehen, während in den Wintermonaten eine 600 Quadratmeter große Eisfläche zum Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen einlädt. Als Eventstandort steht unser mehr als 100-jähriges Strandbad ganzjährig zur Verfügung. Auch als Drehort für diverse Film- und Fernsehproduktionen haben wir uns über die Jahre einen guten Ruf erworben. Zu jeder Jahreszeit finden seit Jahren auch öffentliche Veranstaltungen mit hoher Publikumsnachfrage statt. Hierbei zählen das „Große Eisbaden“, „Ende im Gelände – das ultimativ letzte Weihnachtsbaumverbrennen“ (Ende der Eisbahnsaison), das Lake und Fun Jumping Festival „Müggelmortale“, das „Weihnachtliche Müggelseesingen“ und die verschiedenen Musikveranstaltungen zu Highlights.
FETE BERLIN: Von wann bis wann läuft Euer FETE-Programm?
Seebad Friedrichshagen: 16.00 Uhr bis 21.30 Uhr
FETE BERLIN: In welchen Bereichen würdet Ihr Euch mehr Unterstützung wünschen?
Seebad Friedrichshagen: Immer wieder schwerfällt es uns, ein kostengünstiges Bühnen-Set bereitzustellen.
FETE BERLIN: Die Fête de la Musique ist ein Fest der Musik, das bunt, divers, abwechslungsreich und offen für alle Menschen ist! Ist Euer Venue barrierefrei oder -arm?
Seebad Friedrichshagen: Alle Zugangswege zur Bühnenfläche bzw. zu den gastronomischen Einrichtungen sind ebenerdig zugänglich.
FETE BERLIN: Was erleben Eure Gäste an einem „normalen“ Tag bei Euch im Venue und was erleben sie bei der Fête de la Musique?
Seebad Friedrichshagen: Gute Laune ist bei unserem Publikum jederzeit vorhanden. Es wird viel improvisiert, was den Spaßfaktor meistens noch steigert.
FETE BERLIN: Was sind Berlin-Klischees, mit denen Ihr gern einmal aufräumen möchtet?
Seebad Friedrichshagen: Abseits der trendigen Innenstadtbezirke ist nichts los, dies ist ein Irrtum.
Wir danken dem Seebad Friedrichshagen und freuen uns mit Euch auf die #FETEBerlin2023.
FETE BERLIN: Könntet Ihr Euch als Musikort in Berlin kurz vorstellen?
Centre Francais de Berlin : Das CFB ist das ehemalige Kulturzentrum der Französischen Alliierten und verfügt über einen großen Außenbereich, wo seid 15 Jahren natürlich immer die Fête de la musique stattfindet. Dort gibt es neben einer Bühne direkt an der Müllerstrasse auch ein Programm für Kinder und Familien im Gemeinschaftsgarten. Natürlich werden auch Getränke und frz. Essen verkauft.
FETE BERLIN: Seit wann seid Ihr als offizieller Teil der Fête de la Musique dabei?
Centre Francais de Berlin : Seid 15 Jahren!
FETE BERLIN: Von wann bis wann läuft euer FETE-Programm?
Centre Francais de Berlin : von 16-22 Uhr.
FETE BERLIN: Habt Ihr schon einmal die Möglichkeit gehabt, als Gast das Fest zu erleben?
Centre Francais de Berlin : Ja, aber das ist schon 20 Jahre her, damals habe ich Pennywise im Garten einer Pizzeria im Prenzlauer Berg gesehen. Außerdem waren wir mit einer Berliner Jugendband auf dem Platz Trocadéro am Pariser Eiffelturm 2008, das war ein tolles ERlebnis.
FETE BERLIN: Auf welches Konzert oder auf welchen Musik-Act freut Ihr Euch in diesem Jahr besonders?
Centre Francais de Berlin : Berlin Boom Orchestra als Highlight zum Ende bei uns ab 20h30.
FETE BERLIN: Wir möchten die Fête de la Musique peu-à-peu nachhaltiger gestalten. Was macht Ihr als Musikort bereits in dieser Richtung, wo seht Ihr leicht umsetzbare Maßnahmen, die andere ebenfalls unternehmen können und was sind große Hürden für Euch in Puncto “Greener Fete” / Nachhaltigkeit im Eventbereich?
Centre Francais de Berlin : Müllreduzierung ist ein wichtiges Thema, d.h. Mehrweg, kein Wegwerf-Geschirr etc., Toiletten bei uns im Gebäude nutzen, fast alle kommen mit dem Rad oder mit der U6, die vor der Haustür liegt. Und ein Bewusstsein schaffen, dass man vielleicht nicht unbedingt mit seinem mitgebrachten Getränken kommt, die vielleicht am Späti 1 EUR günstiger sind, aber für viel Müll sorgen und somit nicht dafür sorgen, dass sich die Fête bei uns selbst finanziert.
FETE BERLIN: In welchen Bereichen würdet Ihr Euch mehr Unterstützung wünschen?
Centre Francais de Berlin : vom Wetterfrosch. Er muss dafür sorgen, dass das Wetter gut wird!
FETE BERLIN: Die Fête de la Musique ist ein Fest der Musik, das bunt, divers, abwechslungsreich und offen für alle Menschen ist! Ist Euer Venue barrierefrei oder -arm?
Centre Francais de Berlin : Ja, barrierefrei! Wir werden auch eine deutsch-französische Austauschgruppe zu den Special Olympics bei uns zu Gast haben – sie werden auch diverse Mitmachspiele organisieren, wo man selbst aktiv teilnehmen kann!
Wir danken Florian Fangmann fürs CFB und freuen uns mit Euch auf die #FETEBerlin2023.
FETE BERLIN: Könntet Ihr Euch als Musikort in Berlin kurz vorstellen?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Die Frizu Lounge ist ein kleines Musikzentrum, angesiedelt auf dem Friedrichshainer RAW-Gelände, das Konzerte, Sessions, Workshops, Networking und laufende Bandkurse organisiert. Zur Fete de la Musique zieht es uns ins Grüne und wie im letzten Jahr organisieren wir einen kleinen Akustik-Open-Air-Ort auf dem Tempelhofer Feld, in Kooperation mit dem dortigen Urban Gardening Projekt „Stadtacker“.
FETE BERLIN: Seit wann seid Ihr als offizieller Teil der Fête de la Musique dabei?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Letztes Jahr hatten wir unseren Ausflug zum Tempelhofer Feld erstmals als Teil des offiziellen Programms organisiert. Da die auftretenden Bands eher akustsich orientiert sind, bietet sich das Ambiente auf dem Tempelhofer Feld besonders gut an.
FETE BERLIN: Von wann bis wann läuft euer FETE-Programm?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Unser Programm läuft von 16 bis 22 Uhr. Da es Anliegen der Frizu Lounge ist, Leute zum eigenen Musikmachen zu animieren, startet der Tag mit einem Musikworkshops um 16Uhr, offen für alle Interessent*innen und offen für verschiedenste Vorerfahrungen und Levels. Um 17Uhr bietet eine Offene Bühne die Gelegenheit für Kurzentschlossene, ihre Musik zu präsentieren. Von 18 bis 21 Uhr spielen die fest gebuchten Bands, darunter Bands aus der Frizu Lounge, aber auch externe Gäste. Zum Abschluss wird es ab 21 Uhr Uhr noch eine Session geben, die den Abend abrundet.
FETE BERLIN: Auf welches Konzert oder auf welchen Musik-Act freut Ihr Euch in diesem Jahr besonders?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Wie freuen uns, dass auch in diesem Jahr wieder die „Projekt Band für Frauen* und Queers“ dabei ist. Diese besteht schon seit der Gründung der Frizu Lounge und bietet Frauen* und Queers einen Safe Space in einer sehr hetero-cis-männlich geprägten Musikwelt.
FETE BERLIN: Was erleben Eure Gäste an einem “normalen” Tag bei Euch im Venue und was erleben sie bei der Fête de la Musique?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Im laufenden Betrieb organisiert die Frizu Lounge Konzerte an unterschiedlichen Orten in der Stadt. Hin und wieder gibt es außerdem Musiksessions und Networking-Treffen, wo versucht wird, verschiedenste Musikinterent*innen zusammenzubringen. Workshops wie der „Urban Brass“-Workshops oder „Improvisation für Klassiker*innen“ geben weniger Erfahrenen die Möglichkeit, ihre Skills zu erweitern. Nicht zuletzt finden laufende Bandkurse statt, wo in wöchentlichen Treffen Spaß und Freude auf Vertiefung der musikalischen Fähigkeit und Erlebnisfähigkeit aufeinander treffen. Die meisten Angebote sind grundsätzlich offen für alle, mache Angebote richten sich an spezielle Zielgruppen, z.B. Frauen* und Queers.
FETE BERLIN: Was waren die verrücktesten Momente bei Euch im Venue?
Frizu Lounge @ Stadtacker (Tempelhofer Feld): Eine Kollektivimpro über eine Akkordfolge mit vier Akkorden, die dann insgesamt 3 Stunden dauerte.
Die Klimakrise braucht unser aktives Handeln – jetzt! Darum soll die Fête de la Musique so nachhaltig wie möglich gestaltet werden. Da Nachhaltigkeit ein großer Sammelbegriff ist, wollen wir heute ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Dafür stellen Music Declares Emergency in einem Gastbeitrag sich selbst und die 3 Säulen der Nachhaltigkeit vor:
Nachhaltigkeit ist nicht gleich Nachhaltigkeit. Deshalb wurden verschiedene Maßstäbe dafür entwickelt, die helfen sollen, keinen Aspekt einer lebenswerten Zukunft unter den Tisch fallen zu lassen. Dafür dient das Modell der 3 Säulen der Nachhaltigkeit. Ökologisch, ökonomisch und sozial – das sind die Säulen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen und gleichwertig notwendig sind für nachhaltige Entscheidungen.
Die Säulen sind natürlich abstrakt formuliert, deshalb erklären wir gleich mit, wie dies konkret bei der Fête de la Musique gestärkt wird.
Die ökologische Nachhaltigkeit hat die Umwelt im Blick. Die Gefährdung unserer Lebensräume ist akut und deshalb ist der Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit ein wichtiger und notwendiger Trend. Veranstaltende stärken diese Säule z.B. durch Maßnahmen aus dem “Greener Fête”-Leitfaden. Aber auch alle Besuchenden und Musiker*innen können etwas für diesen Aspekt beitragen: Reist mit dem Fahrrad oder den Öffis an und nutzt Pfand- und Müllsysteme vor Ort.
Ökonomische Nachhaltigkeit:
Bei der Säule der Ökonomie steht nachhaltiges Wirtschaften im Mittelpunkt. Das heißt, Unternehmen haben nicht (nur) die Gewinnmaximierung, sondern (auch) das Wohl der Gesellschaft und Umwelt im Blick. Es gilt, die Lebensqualität für alle fair zu gestalten. Die Fête de la Musique ist nicht gewinnorientiert. Veranstaltende erhalten die Infrastruktur wie das Matchmaking und Antragshilfe, ebenso wie Werbemittel kostenfrei. Für Zuschauer*innen ist der Eintritt kostenlos. Sie können unterstützen, indem sie das ein oder andere Getränk vor Ort kaufen und Musiker*innen bei ihrem nächsten Konzert durch einen Ticketkauf unterstützen.
Soziale Nachhaltigkeit:
Bei der sozialen Nachhaltigkeit stehen die gesamte Gesellschaft und der Mensch im Mittelpunkt. Die vielen Musikrichtungen und Genres, die bei der Fête zu hören sind, geben einen Eindruck davon, welche kulturelle Vielfalt Berlin zu bieten hat. Dazu kommt die soziale Gerechtigkeit. Das heißt zum Beispiel: Chancengleichheit beim Besuch von Konzerten. Barrierearm und ohne Kosten können alle Menschen an der Fête de la Musique teilnehmen.
Egal ob wir Nachhaltigkeit mit 3 Säulen, als Dreieck oder Dreiklang erklären, der Kern bleibt der Gleiche: Die drei Dimensionen stehen in einem nicht-auflösbaren Zusammenhang. Es braucht die Mithilfe aller, damit das Konzept Nachhaltigkeit gelingt.
Die Fête de la Musique ist eine kleine Utopie, in der wir einen Tag lang erleben, wie unser Zusammenleben in Berlin vielleicht sogar jeden Tag gelebt werden könnte. Musik und kulturelle Veranstaltungen schaffen Verbundenheit und können die Kraft bieten, die es braucht, um dem Klima-Notstand und der Vielzahl an Krisen zu begegnen. Weil sie
Perspektiven schaffen, den Austausch fördern und auch Erholungsphase sein können. Dafür ist es aber auch notwendig, dass die Menschen, die hinter dieser Musik und diesen Konzerten stehen, sich in ihren Räumen für eine klimagerechte Zukunft einsetzen.
Wir als Music Declares Emergency werden dieses Jahr die Fête de la Musique dabei unterstützen, diese Räume – ob drinnen oder draußen – zu nutzen! Wir wollen aufrütteln und zeigen, dass noch nicht genug passiert; dass die Säulen nicht gleichmäßig stützen und wir aber alle dieses Dach der Nachhaltigkeit brauchen, um gemeinsam in einer gerechten Zukunft leben zu können.
Music Declares Emergency ist eine Gemeinschaft aus Künstler*innen, Organisationen und Akteur*innen der Musikbranche, die zum Schutz unseres Planeten und als Teil der Klimabewegung über den Klima-Notstand aufklärt und auf ein sofortiges Handeln abzielt. Ursprünglich in Großbritannien gegründet, gibt es mittlerweile 13 Ableger global verteilt, unter anderem unseren in Deutschland. Was uns alle eint, ist die Declaration, die bereits 6665 Artists, Organisationen und Menschen unterzeichnet haben und damit ein Zeichen für Klimagerechtigkeit in der Musik setzen.
Alle Menschen sind willkommen auf der Fête de la Musique. Aber für manche Musikfans sind die Barrieren höher als für andere. Wir wollen diese Barrieren überwinden. Gemeinsam mit Euch. Wir wollen unsere Konzerte inklusiver gestalten. Deshalb arbeiten wir mit Menschen zusammen, die sich auskennen: Handiclapped – Kultur Barrierefrei e.V. – hilft uns und Euch, die Konzerte barrierefrei zu machen. Stück für Stück.
Es gibt hierfür einen Leitfaden für Barrierefreiheit auf Konzerten. Den findet Ihr auf unserer Website. Und wenn Ihr inklusive Bands buchen möchtet, geht das über die Plattform Pink Music.
Pinc Music ist die Plattform für inklusive Musik. Auf der Webseite finden Veranstalter:innen und andere Interessierte inklusive Bands und Solo-Musiker:innen mit Behinderung.
Für jede Veranstaltung ist der passende Act dabei:
Von Hamburg bis München und von Greifswald bis Saarbrücken
Von Solo-Künstler:innen bis zu Orchestern
Von Spaß am Trommeln bis zu Vollprofis
Von Punk bis Klassik
Die Acts werden in Text, Bild und meist mit einem Video vorgestellt. Sie können nach verschiedenen Kriterien durchsucht werden, wie z.B. Bundesland und Genre. Die Kontaktdaten der Bands werden angezeigt, so könne Interessierte direkt Kontakt mit ihnen aufnehmen.
Inklusive Acts bereichern jede Veranstaltung. Das gemeinsame Erleben ihrer Live-Musik verbindet und bleibt in Erinnerung. Ziel der Plattform ist es, den Musiker:innen Sichtbarkeit zu geben und letztendlich, dass möglichst viele inklusive Konzerte stattfinden.
Pinc Music wird von Handiclapped – Kultur Barrierefrei e.V. betrieben. Der gemeinnützige Verein hat selbst schon über 350 inklusive Konzerte veranstaltet. Auch der Bundesverband für Musiktechnologie MusicTech Germany hilft mit bei Pinc Music. Die Initiative Musik unterstützt das Projekt im Rahmen einer Infrastrukturförderung.
Der Sommeranfang gehört der Fête de la Musique. Nach einer fulminanten Rückkehr auf die Bühnen der Stadt und mit vielen zehntausenden Zuschauer:innen im vergangenen Jahr freuen wir uns jetzt schon wieder auf den Sommeranfang am 21. Juni 2023 und auf Euren Beitrag zur Fête de la Musique Berlin. Wir starten jetzt, sieben Monate vor dem längsten Tag des Jahres die Bewerbungsphase für die Musikorte. Im Januar geht es weiter mit dem Call an die Musizierenden der Stadt. Wir freuen uns auf Eure Kreativität, Eure Ideen und Euren bemerkenswerten und ehrenamtlichen Einsatz dafür, dass so viele Menschen in unserer Stadt am 21. Juni Musik genießen können.
Macht Musik – Faîtes de la Musique! Das ist der Ruf, der seit 40 Jahren rund um den 21. Juni zu hören ist. In Paris. In Berlin. Auf der ganzen Welt. Und es ist sicher mehr als nur ein Zufall, dass in der deutschen Übersetzung dieser inspirierenden Parole das Wort „Macht“ auftaucht. Musik hat die Macht, uns einander näher zu bringen, Gemeinschaft zu schaffen, Trennendes zumindest vorübergehend aus dem Weg zu räumen und einen Ort, eine ganze Stadt mit positiver Energie zu erfüllen.
Die Fête de la Musique hat diese Kraft. Sie kennt weder stilistische noch soziale Schranken. Alle dürfen mitmachen – als Gestaltende auf oder hinter der Bühne, als Zuhörende und Tanzende. Die Fête de la Musique ist ein Fest aller für alle. Und sie ist ein Fest des Teilens und der einladenden Geste. Diese Kraft kann man in Zeiten von Spaltung, Zwist, Angst und Krieg gar nicht stark genug betonen.
Das ist der Kern der Fête de la Musique und diesen Kern möchten wir am 21. Juni 2023 in Berlin betonen, stärken und fördern: seid füreinander da, macht miteinander und füreinander Musik. An welchem anderen Tag des Jahres können Menschen ohne Eintritt zu zahlen hunderte von Konzerten in allen Bezirken der Stadt genießen? An welchem anderen Tag, öffnen sich so viele Institutionen, etablierte Häuser und renommierte Ensembles für ein neues Publikum? An welchem anderen Tag haben gänzlich unbekannte Musiker:innen die Chance auf großen Bühnen vor unerwartet großem Publikum zu spielen?
Also save the date, spread the word und FAITES DE LA MUSIQUE!
Das an der Grenze zwischen Wedding und Prenzlauer Berg gelegene Konzert- und Veranstaltungshaus Max Schmeling gilt längst als Vorreiter in Berlins Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit bei Live-Events.
Die Dachflächen der großen Veranstaltungshalle, die Platz für 12.000 Personen bietet, sind größtenteils begrünt und fügen sich so in die parkähnliche Umgebung ein und sorgen für eine natürliche Isolierung. Das Dach bildet eine begehbare grüne Brücke, die den Wedding (ehemals West-Berlin) mit dem Prenzlauer Berg (ehemals Ost-Berlin) verbindet.
Und wie halten sie das Gras kurz?
Ganz einfach. Mit einer Herde schwedischer Schafe, die im Sommer lässig über die Dachbegrünung streift und vor sich hin futtert. Es handelt sich dabei um Guteschafe, offiziell Teil des schwedischen Kulturerbes, und ich bin mir sicher, dass sie es genießen, auf dem Dach der Halle umherzuwandern, während unter ihnen Musik-Acts wie Von Wegen Lisbeth, Thom Yorke und Pink abrocken.
Copyright Velomax Berlin
Die Schafe sind nicht die einzigen nicht menschlichen Bewohner des Daches: Es gibt auch mehrere Bienenvölker, die von den Imkern Thorsten Probst und Wolfgang Wagner betreut werden. Die Betreiber unterstützen also nicht nur den Bienenbestand, sondern bekommen auch noch leckeren Honig aus der Region geschenkt!
1.064 Solarmodule auf dem Dach speisen 100%-igen Ökostrom in das Berliner Stromnetz.
Bei der An- und Abfahrt der vielen Fans im Rahmen der Konzerte in der Max-Schmeling-Halle entstehen CO2-Emissionen, doch es gibt zahlreiche CO2-emissionsfreie Mobilitätsmöglichkeiten, z. B. durch den Fahrrad- und Rollerverleih vor Ort und den Berliner Nahverkehr, der selbst in die Klimaneutralität Berlins investiert. Und natürlich warten sehr viele Fahrradständer vor den Türen der Halle, um die Fortbewegung auf zwei Rädern zu fördern.
Foto Credit Andreas Budtke
Die Max-Schmeling-Halle ist Mitglied bei Take a Stand („Förderung des sozialen Zusammenhalts in unserer Gesellschaft, Förderung des Bewusstseins und der Toleranz für alle Kulturen, Geschlechter, Rassen, Religionen, sexuellen Orientierungen, Farben und Herkünfte“), bei Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. (der sich für den Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene einsetzt), ist goldzertifiziert von Green Globe (der weltweit führenden Zertifizierungs- und Leistungsverbesserungsorganisation, die „Organisationen dabei unterstützt, ihre wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern“) – und ist sogar die erste multifunktionale Veranstaltungshalle in Deutschland, die von Green Globe zertifiziert wurde.
Das Team der Fête de la Musique Berlin ist schon lange Fan des Engagements der Max-Schmeling-Halle, Berlins Veranstaltungsbranche grüner und hoffentlich eines Tages klimaneutral zu machen … und wir freuen uns auf viele weitere tolle Konzerte und Live-Events unter den mampfenden Schafen und summenden Bienen!
Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, müssen wir große Teile unseres Lebens in Richtung einer Kreislaufwirtschaft verändern.
Die Greener Fête de la Musique orientiert sich an dem sogenannten 7xR-Modell des europäischen GEX-Projekts: Reduce – Repair – Reuse – Refurbish – Recycle – Recover – Rethink. Oder auch: Reduzieren – Reparieren – Wiederverwenden – Wiederaufarbeiten – Rückgewinnen – Wiederherstellen – Umdenken.
Im Kern geht es um die Frage, wie wir in Zukunft unser Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln können. In diesen neuen Prozessen sollen Abfälle idealerweise komplett vermieden werden (Zero Waste) und die Ressourcen als Wertstoffe in neuen Produktkreisläufen wiederverwertet werden können. Bei der Fête de la Musique entsteht Abfall vor allem an den Gastronomieständen oder durch die von den Besuchern mitgebrachten Getränke und Einwegverpackungen von Speisen und Getränken.
Der beste Abfall ist der Abfall, der gar nicht erst entsteht
Aber auch eure Flyer, Giveaways und Dekorationsmaterialien können Abfall produzieren, wenn ihr nicht von vornherein praktische Maßnahmen ergreift, um die Menge zu reduzieren. Gerade bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum und auf Grün- oder Freiflächen kann dies zu großen Herausforderungen führen.
Deshalb solltet ihr in erster Linie überlegen, welche Maßnahmen ihr zur Abfallvermeidung umsetzen könnt. Der beste Abfall ist der Abfall, der gar nicht erst entsteht. Vielleicht könnte anstelle eines gedruckten Flyers oder Plakats ein digitales Angebot eure Veranstaltung besser bewerben?
Kompostierbare Becher sind nur dann wirklich umweltfreundlich, wenn sie beim Sammeln sauber sind
Bei der Dekoration plant ihr am besten wiederverwendbare Materialien ein, die ihr auch bei der nächsten Veranstaltung einsetzen könnt. Für die Cateringstände sind wiederverwendbare Teller und Becher natürlich ebenfalls die bessere Lösung. Fragt eure Standpartner, wie sie euch helfen können, den Abfall bei eurer Veranstaltung zu minimieren.
Es gibt mittlerweile viele Getränkehersteller und Brauereien, die in diesem Bereich innovative Lösungen entwickelt haben und diese gerne auf nachhaltigen Veranstaltungen präsentieren. Leider sind kompostierbare Becher nur dann wirklich umweltfreundlich, wenn sie bei der Sammlung sauber sind und dann in einer Kompostieranlage unter speziellen Bedingungen recycelt werden.
Und seien wir mal ehrlich, das passiert fast nie.
Das bedeutet, dass wiederverwendbare Lösungen fast immer die umweltfreundlichere Option sind. Mittlerweile bieten einige gemeinnützige Organisationen wie DorfwerkStadt e. V. wiederverwendbares Geschirr und Geschirrspüler zum günstigen Verleih an. Und wenn ihr bei eurer Veranstaltung Abfälle habt, trennt diese nach Möglichkeit, damit die Entsorgungsprofis das Beste daraus machen können.
Foto von Singkham, via Pexels, verwendet mit Genehmigung
Das Yaam ist seit 25 Jahren fester Bestandteil der Berliner Clubszene – und auch von der Fête de la Musique nicht wegzudenken.
Nach Stationen an verschiedenen Adressen ist der „Young African Art Market“ nun an der Schillingbrücke am Ostbahnhof beheimatet.
Was macht das YAAM in Bezug auf nachhaltiges Veranstaltungs-Management?
Aufgrund der großen Deckenhöhe und der damit verbundenen großen Luftmengen entschied sich der gemeinnützige Verein für ein gasbetriebenes Dunkelstrahlersystem, das die Räume mittels Infrarotstrahlung beheizt.
Im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen können durch kurze Betriebszeiten und hohe Energieausbeute bis zu 70 % Energie eingespart werden. Das eingesetzte Heizsystem wurde 2012 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis als nachhaltigstes Produkt Deutschlands ausgezeichnet.
Der gemeinnützige Verein entschied sich für ein gasbetriebenes Dunkelstrahlersystem, das die Räume mittels Infrarotstrahlung erwärmt.
Das YAAM verwendet Ökogas und Ökostrom und tut sein Bestes, um den Wasserverbrauch zu begrenzen und den Energieausstoß insgesamt zu reduzieren. LED-Technologie & Bewegungsmelder sind mittlerweile ein erprobtes und gut funktionierendes System.
Martin Gräff (Technischer Leiter, Vorstand Kult e.V.) sagt: „Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass regenerative Energien in allen Bereichen die Zukunft sind. Warum Geld für Energie bezahlen? Warum die Umwelt unnötig belasten? Es ist klar, dass auf allen Ebenen der Gesellschaft ein radikales Umdenken stattfinden muss und das sinnlose Festhalten an veralteten und umweltschädlichen Verfahren so schnell wie möglich beendet werden muss.“
Das eingesetzte Heizsystem wurde 2012 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis als nachhaltigstes Produkt Deutschlands ausgezeichnet
Matthias Krümmel vom Berliner Energiecheck des BUND ergänzt: „Mit dem Berliner Energiecheck beraten wir zu gering-investiven Maßnahmen, die vor allem zu Hause sinnvoll sind, Geld sparen und das Klima entlasten. Unser Nachtleben, also der Genuss von kalten Getränken, guter Musik und stimmungsvoller Beleuchtung, hat aber natürlich auch einen erheblichen ökologischen Fußabdruck – keine Kultur ohne Energie- und Ressourcenverbrauch…Durch gering-investive Maßnahmen kann das YAAM adhoc 10.000 kWh Strom einsparen.“
Dies ist ein großartiges Beispiel dafür, dass die Kultur- und Veranstaltungsbranche innovative Wege findet, um ihren Energieverbrauch zu senken und einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Veranstaltungsbranche grüner wird!
Willkommen zum zweiten Teil unserer Artikelserie, mit der wir euch Tipps geben möchten, wie ihr Live-Events nachhaltiger und weniger umweltschädlich gestalten könnt. Letzte Woche haben wir über Energie und Strom gesprochen; diese Woche geht es um Mobilität.
Die An- und Abreise von Besuchern und Musikern macht etwa 80 % der Emissionen einer Veranstaltung aus.
Auch wenn die Fête de la Musique hauptsächlich in Berlin stattfindet, verursacht sie CO2-Emissionen. Eine grünere Fête de la Musique will auch hier durch ein paar einfache Maßnahmen eine deutliche Reduzierung ermöglichen.
Natürlich könnt Ihr euren Besucher:innen nicht vorschreiben, wie sie zu euch kommen, aber durch die Wahl des Veranstaltungsortes könnt ihr ihnen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad wesentlich erleichtern.
Da Parkplätze in Berlin ohnehin Mangelware sind, schont es die Umwelt und die Nerven von Besucher:innen und Anwohner:innen gleichermaßen. Win Win!
Die An- und Abreise von Besucher:innen und Musiker:innen macht etwa 80 % der Emissionen einer Veranstaltung aus.
Natürlich braucht ein innovatives Fahrradkonzept auch genügend sichere Abstellplätze und vielleicht sogar die eine oder andere Besonderheit als Goodie für diejenigen, die mit einem umweltfreundlicheren Verkehrsmittel unterwegs sind. Hamburgs Fahrradgarderobe ist ein wunderbares Beispiel dafür.
Die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Berliner Fahrradinitiativen bietet eine tolle Möglichkeit, den eigenen CO2-Fußabdruck positiv zu beeinflussen. Auch bei der Materiallogistik für Bühne, Instrumente und Catering gibt es verschiedene Anbieter, die umweltfreundlich arbeitende Elektrofahrzeuge oder Lastenräder zur Verfügung stellen können.
Wenn ihr eine größere Veranstaltung plant, kann das Angebot eines Kombi-Tagestickets mit der BVG die Besucher:innen motivieren, entspannt mit Bus, Straßenbahn oder Zug zum Event zu kommen.
Wir hoffen, dass euch dieser Artikel über umweltfreundliche und nachhaltige Mobilität bei Veranstaltungen gefallen hat.
Schaut wieder auf unserer Website vorbei (oder meldet euch für unseren Newsletter an, damit ihr nichts verpasst) – für weitere Tipps, wie ihr eure Bühne bei der Fete de la Musique 2021 umweltfreundlicher gestalten könnt.
Und natürlich gelten unsere Tipps zur Reduzierung der ökologischen Auswirkungen von Live-Events für alle Live-Events, die ihr ausrichtet – von denen es in Zukunft hoffentlich wieder viele mehr geben wird!
Titelfoto (c) Jim Kroft
Hauptfoto von Christina Spinnen via Unsplash
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