Die Fête de la Musique: ein Welterfolg! Wie wird sie in anderen Ländern gefeiert?

Musiker in Spanien zur Fete de la Musique

1982 wurde in Frankreich durch den damaligen Kulturminister Jack Lang die Fête de la Musique aus der Taufe gehoben. Seitdem werden jährlich am 21. Juni alle Musikschaffenden des Landes – ob Profis oder Amateur*innen – dazu aufgerufen, auf die Straße zu gehen und Musik zu machen (im Französischen kann man Fête de la Musique, das Fest der Musik, genauso als Faites de la Musique, also „Macht Musik!“, verstehen). Das Sommerbegrüßungsfest am längsten Tag des Jahres wurde bald zum Exportschlager. 2017 wurde die Fête unter verschiedenen Namen in mehr als 120 Ländern in mehr als 700 Städten gefeiert.

Fête de la Musique: von Paris hinaus in die Welt

Menschenmenge zu Konzert vor Eifelturm in PAris

1985 wurde – aufgrund des 300. Geburtstags der Komponisten Bach, Händel und Scarlatti – als Europäisches Jahr der Musik begangen. Es gab zahlreiche Initiativen dazu, in Deutschland wurde z.B. eine eigens fürs Jubiläum designte 5 DM Münze ausgegeben. Dies war für Frankreich die ideale Möglichkeit, den anderen Ländern Europas die Fête de la Musique vorzustellen. Als eines der ersten Länder übernahm Italien die Idee, wo 1985 die erste Festa della Musica gefeiert wurde.

Nachdem die Fête de la Musique nach und nach in fast allen Ländern Europas ein Zuhause gefunden hatte (Deutschland kam 1995 dazu), wagte sie 2007 den Sprung über den Atlantik: New York begang in diesem Jahr den ersten amerikanischen Make Music Day. Was als überschaubare „Grassroots“-Initiative begann, entwickelte sich bald zu einem stadtweiten Fest: letztes Jahr fanden am 21. Juni im Big Apple unglaubliche 1.000 outdoor Konzerte statt! Über 50 weitere US-Städte haben sich unterdessen von der „Make your own music“-Euphorie anstecken lassen.

Die New Yorker setzen übrigens noch eins drauf: der ursprünglichen Idee der Fête de la Musique folgend, organisiert die Stadt seit 2011 neben dem Sommer- auch ein Winterfest. Am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres und kalendarischen Winteranfang, wird hier Make Music Winter zelebriert, indem 12 Musikparaden durch die Stadt ziehen, denen sich jedermann anschließen kann, bis die Züge etliche Kilometer lang sind.

La Fête weltweit: ein Fest der Vielfältigkeit

Cellospieler auf der Straße Fete de la Musique

Foto: Kaique Rocha

Weltweit dominieren auf der Fête de la Musique wahrscheinlich populäre Musikstile wie westlich orientierte Rockmusik. Doch für viele Länder ist es auch eine Möglichkeit, die eigene Musiktradition wieder in den Fokus zu rücken. In vielen europäischen Ländern werden klassische Konzerte gegeben und in Indien und China besinnt man sich zum Anlass der Festes vielerorts auf die eigene, jahrtausendealte traditionelle Instrumental- und Volksmusik. Die chinesische Regierung sicherte dem Fest der Musik 2017 einen Platz im nationalen Gedächtnis, indem sie im ganzen Land eine Sonder-Briefmarke herausgab.

Musik hat immer noch die Kraft, ein Mittel der Völkerverständigung zu sein

Sie ist Wahrer der Tradition und Identitätsstifter, sie kann trösten, versöhnen und zur Rebellion aufrufen. Sie muss nur gehört werden! Zu keiner Zeit war die Welt so offen, waren die Grenzen so durchlässig, war es so einfach, tief im musikalischen Weltkulturerbe zu graben wie heute. Man kann und sollte die Fête de la Musique daher als Möglichkeit wahrnehmen, einmal weit mehr zu hören zu bekommen, als auf Radioformat ausgelegte Rock- und Popmusik.

Man mache es wie die Franzosen! Laut einer Umfrage nahmen in Frankreich letztes Jahr unglaubliche 64 % der Bevölkerung als Zuschauer oder Musiker an der Fête de la Musique teil. Davon verfolgten 72 % den Plan, „einfach herumzulaufen“ und zu sehen, worauf sie stoßen.

Das könnten wir uns ja in Deutschland zum Vorbild nehmen…

Titelfoto: Caio Resende