Absolutes FETE-Highlight: öffentliche Probe des Konzerthauses Berlin – und dazu ein Interview mit Intendant Sebastian Nordmann

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Prof. Dr. Sebastian Nordmann / Konzerthaus Berlin

Das Konzerthaus Berlin wird in diesem Jahr nicht nur Veranstaltungsort für den Singalong am Abend des 21. Juni sein, sondern bietet mit einer öffentlichen Probe ein besonderes Highlight für alle Besucher*innen.

Die Probe unter der Leitung von Eliahu Inbal wird am Nachmittag den Auftakt zur diesjährigen Fête de la Musique in Berlin bilden. Wir freuen uns auf die Musik und über Einblicke in den Alltag des großartigen Orchesters und seines Dirigenten.

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin.© Foto: David von Becker

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin. © Foto: David von Becker

Die Fête de la Musique – ein europäischer Gedanke

Das Konzerthaus Berlin war nicht bloß Hintergrundbild, als 2017 wochenlang Demonstrationen der proeuropäischen Bürgerbewegung Pulse of Europe am Gendarmenmarkt stattfanden, sondern setzt sich kontinuierlich für eine europäische, musikalische Nachwuchsförderung ein. Das passt einmal mehr zum Auftakt einer Fête de la Musique in Berlin.

Durch die Zusammenarbeit mit der Ardian Foundation werden gemeinsam Stipendien an Studierende aus aller Welt vergeben und talentierten Nachwuchsmusiker*innen damit ein hochwertiges und individuelles Ausbildungsprogramm ermöglicht.

Wir haben mit Sebastian Nordmann, dem Intendanten des Berliner Konzerthauses und des Konzerthausorchester Berlin, über die Bedeutung der künstlerischen Freiheit in Europa und über die Förderung des musikalischen Nachwuchses gesprochen.

Interview mit Sebastian Normann – Intendant des Konzerthauses Berlin

Fête de la Musique: Die Ode an die Freude gilt als eines der verbindenden europäischen Lieder. Welche Bedeutung hat dieses Lied für Sie persönlich?

SN: Es steht für mich unmittelbar in Verbindung mit dem Konzert von Leonard Bernstein, das er 1989 direkt nach dem Mauerfall im Konzerthaus Berlin dirigiert hat. Er vereinte dafür Musiker und Musikinnen aus ganz Deutschland, um Beethovens Neunte aufzuführen und dabei anstelle des Wortes „Freude“ „Freiheit“ singen zu lassen.

Fête de la Musique: Gibt es weitere Lieder, die Ihrer Meinung nach Freiheitsgedanken innerhalb Europas transportieren?

SN: Ich glaube, jeder verbindet mittlerweile mit der Melodie der „Eurovision“ den europäischen Gedanken. Es stammt eigentlich aus dem Te Deum vom französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier. Ebenso wird von allen Fussballfanatikern die Champions-League-Melodie als europäische Hymne bezeichnet und auch sie entstand nach einem Werk aus dem 18. Jahrhundert: „Zadok the Priest“ komponiert von Georg Friedrich Händel.

Fête de la Musique: Gab es einmal einen besonders herausragenden Augenblick im Rahmen der weltweiten Stipendien, die Sie zusammen mit der Ardian Foundation vergeben?

SN: Zur Zeit ist eine Stipendiatin aus Cuba Mitglied in der Akademie. Sie erzählte mir vor kurzem, dass einige Akademisten zusammen Weihnachten gefeiert haben. Es ist ein schönes Gefühl, wenn aus der professionellen Akademie gleichzeitig eine Art Familie entsteht, in der sich die weit von ihrer eigentlichen Familie entfernten Musikerinnen und Musiker aufgehoben fühlen.

Fête de la Musique: Denken Sie, dass Kunst und in unserem Kontext die Musik, die Aufgabe hat, politisch zu sein?

SN: Jegliche Art von Inszenierung ist in einer Oper politisch. Auf der Konzertbühne geht es eher um die absolute Musik. Andererseits spielen in einem Orchester Mitglieder aus über 20 Nationen. Sie proben täglich gemeinsam, gehen gemeinsam auf Tournee und ziehen trotz verschiedenster Meinungen und Interpretationsideen stets an einem musikalischen Strang.

Fête de la Musique: Zu guter Letzt; welches Lied würden Sie außer der Ode an die Freude mit ganz vielen Menschen gemeinsam erklingen hören?

SN: Da ich früher in einem A cappella Ensemble gesungen habe, liebe ich sämtliche Lieder von den Comedian Harmonists. Eigentlich sind es ja ehemals Volkslieder, mittlerweile allerdings schon „Klassiker“.

Vielen Dank für das Interview und wir freuen uns auf die öffentliche Probe und das gemeinsame Feiern der Fête de la Musique!

Konzerthaus

Konzerthausorchester (c) Marco Borggreve

Gemeinsamer Singalong um 20 Uhr auf den Treppen des Konzerthauses

Um 20 Uhr versammeln sich alle Teilnehmende, Musikbegeisterte, Hobby- und Profisänger*innen auf der Freitreppe des Konzerthauses zum gemeinsamen Singalong. Auf dem Programm stehen auch noch die folgenden Songs:

– Wonderful World – Louis Amstrong
– Ein Hoch auf uns – Andreas Bourani

Nicht nur in Berlin, sondern rund um die Welt wird gesungen, gelacht und getanzt.

Denn darum geht es beim Singalong: Come along, SINGALONG – und zwar dort, wo jeder gerade ist. Gemeinsam mit über 50 Städten in Deutschland und 7 Ländern in Europa veranstalten wir um 20 Uhr das Singen, das im letzten Jahr seine Premiere hatte.

Gemeinschaft durch Musik soll damit weltweit erlebbar gemacht werden. Denn „Fête de la Musique“ heißt gesprochen im Französischen nicht nur „Musikfest“, sondern auch „Faites de la Musique“ und das bedeutet „Macht Musik!“. In diesem Sinne: Wir freuen uns auf Euch!

Titelfoto: Pablo Castagnola