Interview mit Christian Stender, Kulturmanager und Institution der FETE Berlin

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Portrait Christian Stender FETE Berlin

Christian Stender ist selbständiger Kulturmanager und arbeitet für verschiedene Kulturprojekte, mit einem gewissen Fokus auf Großveranstaltungen im öffentlichen Raum. Für die FETE Berlin koordiniert er die Bühnenstandorte und das behördliche Genehmigungsverfahren. Außerdem kümmert er sich mit um die Vermittlung der Bands und Musiker. Privat liegen seine Interessen ganz ähnlich, also Pop Kultur im Allgemeinen – Musik, Film, Street Art, urbanes Leben, Cycle Culture – und er spielte Gitarre und singt in einer 60’s Garage Punk Band. Für uns definitiv ein Influencer der Fête de la Musique Berlin – und deswegen haben wir ihn für Euch interviewt.

 

Interview mit Christian Stender, der als Kulturmanager als Institution für die FETE Berlin nicht mehr wegzudenken ist

FETE BERLIN: Seit wann bist Du Teil des Organisations-Teams und findest Du, dass sich die FETE Berlin mit der Zeit verändert hat?

Christian: Ich bin seit 2008 Teil des Organisations-Teams der Fête de la Musique, in unterschiedlichen Konstellationen und mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Im Kern hat sich die FETE Berlin nicht verändert, die Musik aller Couleur und Stilrichtungen wird auf die Straße gebracht und ist für jeden, der sich aufmacht oder auch nur zufällig vorbei kommt zugänglich und erlebbar.

Natürlich ist die Fête mit den Jahren gewachsen, wobei die Wurzeln ganz klar bei den vielen engagierten Bühnenmachern und Musikern eher so aus der Subkultur liegen und erst nach und nach auch „klassische“ Kulturschaffende die FETE Berlin für sich entdeckt haben. Was aber auch bedeutet, dass die Fête mittlerweile so ziemlich alle Genres und auch alle Berliner Bezirke umfasst, was doch sehr schön ist!

FETE BERLIN: Im letzten Jahr erstmals und dieses Mal in Fortsetzung gibt es zum einen den Singalong und zum anderen das Opening. Für wen sind die beiden Specials? Was erwartet die Besucher? Und: Darf jeder und jede mitmachen?

Christian: Wie bei der Fête insgesamt sind alle eingeladen mitzumachen und das Opening ist in gewisser Weise die Fête im „kleinen“ – ein Auftakt, bei dem sich der jeweilige Fokusbezirk präsentieren kann und zeigt wie vielfältig die Musikszene auch abseits der üblichen Szene-Kieze ist.

Der Singalong trägt zudem den verbindenden Charakter von Musik in sich und das über alle Grenzen hinaus. Musik ist eine Sprache die alle Menschen verstehen und die Stimme ist ein Instrument, das grundsätzlich erstmal jedem zur Verfügung steht und das gemeinsam mit vielen Menschen im Chor auch ohne viel Übung für jeden einsetzbar ist.

FETE BERLIN: Was sind Fragen, die Dir immer wieder gestellt werden?

Christian: Kommt ganz drauf an, wer fragt! Von Feten-Gängern werde ich meist gefragt: Was sind die Highlights, wo muss ich unbedingt hingehen? Darauf habe ich dann spontan meist keine passende Antwort, da es einfach so viele, tolle Sachen zu entdecken gilt und jeder ja auch anders tickt und andere musikalische Vorlieben hat. Einen Tag später fällt mir dann meist doch immer der absolut passende Tipp ein, haha!

Musiker fragen oft nach den „großen“ Bühnen, da muss ich aber sagen, dass das eigentlich nicht der Gedanke der Fête ist – auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass sich jeder Musiker ein großes Publikum wünscht!

Und mein Tipp ist sowieso immer, sich lieber vor einem vielleicht kleineren, enthusiastischen Publikum neue Fans zu erspielen, als vor einem Headliner, auf den die Menge wartet, möglicherweise nicht beachtet zu werden.

Und die Bühnen und die jeweiligen Macher dahinter sind so divers und verschieden – vom leidenschaftlichem Amateur bis zu hochprofessionellen Veranstaltungscracks – dass da auch die Fragen sehr unterschiedlich sind. Einige Fragen die Basics ab, anderen geht es nur noch um Details wie Programm-Deadlines, Sponsoring oder dergleichen.

FETE BERLIN: Und Klischees, mit denen Du gern aufräumen würdest?

Christian: „Früher war alles besser, da ging zur Fête viel mehr, heute ist alles reglementiert von den Behörden und sowieso in Paris kann jeder einfach machen, da muss sich niemand an Regeln halten!“

Also, dass früher alles besser war, hat dann vielleicht mit dem Alter und der eigenen Lebenssituation zu tun und die Regeln haben sich auch nicht geändert. Vielmehr hat die Fête de la Musique, im nunmehr 25. Jahr, bei den Ämtern und Sicherheitskräften einen Ruf als ein friedliches und buntes Fest, was vieles möglich macht das sonst vielleicht nicht geht. Und besonders bei den Umweltämtern, die für die Ausnahmegenehmigungen Lärmschutz zuständig sind, haben wir sogar echte Fans, die selbst zu Fête de la Musique gehen und mitfeiern!

Und dass in Paris jeder machen kann, was er will halte ich ‘eh für ein Gerücht.

FETE BERLIN: Das Musicboard Berlin probiert, an so vielen Bühnen wie möglich selbst zuzugucken oder zumindest vorbei zu kommen. Wie macht ihr das?

Christian: Wir haben ein Team von Leuten, die als Ansprechpartner für die lokalen Veranstalter am 21. Juni unterwegs sind und 5 bis maximal 10 Bühnenstandorte besuchen – unsere Augen und Ohren sozusagen! Uns ist wichtig, dass alle Partner der Fête auch einen persönlichen Kontakt bekommen, dadurch lassen sich einfach viel besser die Eindrücke, Geschichten und die Atmosphäre einfangen. Das hilft uns ein Bild zu bekommen, was alles los ist in der Stadt bzw. wir können schnell helfen, falls es Probleme gibt.

Und vom Organisationsteam hat natürlich auch jeder seine Favoriten und versucht möglichst viel zu sehen. Im besten Fall trifft man die Macher und das Team vor Ort, kommt ins Gespräch, kann die Zeit der Vorbereitung Revue passieren lassen und erlebt gemeinsam wofür man über lange Zeit gemeinsam gearbeitet hat.

Christian Stender Foto

FETE BERLIN: Teilst Du ein paar Deiner persönlichen Highlights der Berliner Fête mit uns?

Christian:

Seeed im Mauerpark war schon einmalig, da lag wirklich was in der Luft, was man so auch nicht allzu oft erlebt. Auch Pennywise war ein Highlight, die zur Fête die komplette untere Schönhauser Allee lahmgelegt haben – wobei ich froh bin, dass ich zu der Zeit nur Besucher war und keine Verantwortung zu tragen hatte, haha!

Aber mir persönlich gefallen die kleinen, feinen und überraschenden Momente meist am besten, z.B. 21 Downbeat, die Band des Theater RambaZamba, die zierliche Sängerin einer Grindcore-Band, die klang wie ein wütender Grizzly oder die Top Shelf Brass Band aus Kalifornien, die als Straßenmusiker an der Oberbaumbrücke eine Brass-Version von „Careless Whisper“ gebracht haben – großartig!

FETE BERLIN: Hast Du die FETE auch schon in anderen Städten kennengelernt?

Christian: Leider nein, ich muss am 21. Juni ja immer arbeiten.

FETE BERLIN: Und zum Schluss noch die Frage: Was wünscht Du Dir besonders für die diesjährige Fête de la Musique und wo wird man Dich treffen?

Christian: Sonnenschein, ist ja klar! Und viele tolle, neue und spannende Orte, Bühnen und Musik natürlich. Ich werde mich auf mein Lastenrad schwingen – mein mobiles Büro sozusagen – und ein paar altbekannte, lieb gewonnene und einige neue Bühnen anfahren. Um 20 Uhr geht‘s zum Singalong am Gendarmenmarkt, dann über ein paar Zwischenstopps zurück in meinen Heimatbezirk Friedrichshain, um dort im NIRGENDWO den Abend ausklingen zu lassen.

Vielen Dank!