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Fête de la Musique – das Fest der Musik und die GEMA:

offener Brief an die GEMA vom 2.8.2012

Sehr geehrte Mitglieder der GEMA, sehr geehrte Damen und Herren des GEMA-Vorstandes und des GEMA-Aufsichtsrates,

die von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte/ GEMA angekündigte Tarifreform inklusive Tariferhöhung ab 1.1.2013 betrifft nicht nur Clubs sondern weitere Veranstaltungsarten wie Straßenfeste, Stadtfeste, Musikfeste. Die Berliner Fête de la Musique und die anderen dieses Fest der Musik zelebrierenden Städte und Gemeinden in Deutschland (2012 waren es 25) sind besorgt.

Was ist eine Fête de la Musique?

Jedes Jahr zum kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni erklingt die Fête de la Musique – das Fest der Musik mit dem Ziel, alle Bürger der Stadt musikalisch zu mobilisieren. Begründet wurde diese sympathische Erfindung 1982 in Frankreich mit dem Anliegen, die vielen musizierenden Menschen für wenige Stunden sicht- und hörbar zu machen. Seit 1985 fällt auf diesen Tag auch der European Music Day und inzwischen feiern mehr als 340 Städte weltweit, davon ca. 60 europäische Städte, jährlich ihre Fête de la Musique.

Alle folgen dem gleichen Prinzip: Die Fête de la Musique findet immer am 21. Juni und möglichst unter freiem Himmel auf öffentlichen Straßen und Plätzen statt. Die Musik ist live, jeder darf und soll mitmachen, ob Laie oder Profi. Alle Musikstile sind erlaubt, es darf kein Eintritt erhoben werden und alle Musiker treten ohne Honorar auf.

Das General Agreement (die Richtlinien) einer Fête de la Musique

Allgemeine Situation der Fête de la Musique in Berlin (nachfolgend FeteBerlin genannt):

Seit 1995 gibt es die Fête de la Musique in Berlin, organisiert von der Fête Company. Aus einem kleinen Umzug ist mittlerweile eines der größten Musikfeste der Stadt geworden. FeteBerlin holt für alle Standorte (Bühnen) in Berlin vorab die Lizenz bei der GEMA ein und zahlt für alle Standorte (2012 waren es 104) und das akustische Musizieren an diesem Tag einen Lizenz-Nutzungs-Gesamtbetrag.

FeteBerlin wird zu 100% von der öffentlichen Hand (durch die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und die Stiftung Deutscher Klassenlotterie Berlin) finanziert. Der feststehende Finanzierungsplan wurde im Jahr 2011 beschlossen. Eine Erhöhung der Förderung ist kaum möglich. Einnahmen erwirtschaftet die FeteBerlin generell nicht, das verbietet das internationale General Agreement.

In Frankreich ist für die Fête de la Musique keine Lizenzvergütung fällig. FeteBerlin hat im Jahr 2001 diesbezüglich das Gespräch mit der GEMA in München (Hauptsitz) gesucht und gefunden. Einer Lizenzbefreiung in Deutschland hat die GEMA jedoch nicht zugestimmt. Ausgehandelt wurde aber eine planungssichere Lizenzhöhe, die bereits vor der Veranstaltung feststand und eine Budgetierung möglich machte.

Zahlen, bitte!

Seit 2006 zahlt FeteBerlin jährlich ca. 6.000 € netto an die GEMA (Tarif U-VK I, Unterhaltungsmusik mit Musikern, Eintrittsgeld 0,00 €, Veranstaltungsfläche 60.000 qm, 90.000 Besucher). Gezahlt wird, egal ob es regnet und nur 10.000 Besucher kommen wie im Jahr 2007 oder auch mal 120.000 Besucher wie z.B. an einem Wochenende im Jahr 2008.

Für das Jahr 2012 zahlte FeteBerlin exakt 6.236 € netto inkl. 10% für die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten/ GVL. Über die Mitgliedschaft in der Club Commission – dem Verein der Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter erhält FeteBerlin von der GEMA 20% Rabatt. Ohne den 7.795,28 € erhoben worden wären.

Ab 2013 müsste FeteBerlin im neuen Tarif „Vergütungssätze U-V für Aufführungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Musikern“ rein rechnerisch unter Beachtung des o.g. Rabattes an die GEMA/ GVL wie folgt zahlen: 14.520 € (inkl. 10% GVL) abzgl. des genannten Rabattes (Minus 2.904 €). Dies ergibt 11.616 € und damit Mehrkosten in Höhe von 5.380 €.

Bei der Anwendung des zweiten möglichen Tarifs „Vergütungssätze U-K, Konzerte der Unterhaltungsmusik“ müsste FeteBerlin rein rechnerisch unter Beachtung des o.g. Rabattes 8.707 € an die GEMA zahlen (10.883 € – Angabe ohne GVL – abzgl. des genannten Rabattes in Höhe von 20% – Minus 2.176 €).

Bei Gesamteinnahmen der GEMA im Geschäftsjahr 2011 in Höhe von 825 Millionen € ist FeteBerlin mit 0,00072 % nur eine kleine Nummer. Dem Angebot der GEMA Berlin zu einem Gespräch (Verhandlung) wird FeteBerlin folgen. FeteBerlin möchte aber mit diesem offenen Brief vor allem, dass alle GEMA-Mitglieder die Meinung, die Fragen, die Anregungen von FeteBerlin erfahren.

Dafür steht die FeteBerlin:

FeteBerlin unterstützt die Schutzwürdigkeit geistigen Eigentums und kreativer Leistungen und ist deshalb selbstverständlich nicht für die Abschaffung der Urheberrechtsgesellschaft.

FeteBerlin ist nichts ohne die Musiker, die Komponisten, die Textdichter, die Verleger. Dennoch ist ein (zwar honorarfreier) Auftritt bei der FeteBerlin für viele Musikformationen ein Meilenstein und hilft noch unbekannten Musikern bei der Erweiterung des Fankreises und bei der Bekanntmachung ihrer Musik.

FeteBerlin begrüßt Reformen grundsätzlich, speziell eine Vereinfachung durch Zusammenlegung der GEMA-Tarife, lehnt aber die parallel laufende drastische Tariferhöhung ab. FeteBerlin betrachtet die angekündigte Tariferhöhung der GEMA als zu hoch an.

FeteBerlin präsentiert jährlich ca. 800 Musikformationen (Amateur, semiprofessionell, professionell), aber „nur“ 100 davon sind GEMA-Mitglied bzw. geben eine GEMA-Musikfolge ab. FeteBerlin versteht sich auch als Nachwuchsförderung.

FeteBerlin tritt für die Petition ‚Gegen die Tarifreform 2013 – GEMA verliert Augenmaß‘ ein und hofft auf eine einvernehmliche Lösung zwischen Musikschaffenden, Veranstaltern und Verwertungsgesellschaften.

Schubladendenken war noch nie ein Freund der Musik

Die Tarifreform mit den neuen Tarifen gilt nicht für Konzerte der Unterhaltungsmusik (Tarif U-K), sondern nur für Veranstaltungen mit Musik. FeteBerlin fragt, was soll der Unterschied sein? Laut Aussage der GEMA ist ein Konzert, wenn die Besucher nicht tanzen. Ist so eine Unterscheidung rechtens und zeitgemäß? Was ist eine Fête de la Musique? Eine Fête de la Musique ist vielseitig, sie präsentiert Musik verschiedenster Genres, sowohl U(nterhaltende) als auch E(rnste) Musik und auch Musik für-mit-von Kindern (bis 12 Jahre). Entspricht dies nicht auch einem Bildungsauftrag? Ist es vielleicht möglich, dass eine Fête de la Musique nicht in das Tarifraster der GEMA passt?

FeteBerlin wird dem evtl. Vorschlag der GEMA qm-Angaben zu den einzelnen Standorten (Bühnen) zu geben, nicht folgen, da die Angabe (Zugrundelegung) der Veranstaltungsfläche gemäß IV. Härtefallnachlassregelung bei so einer dezentralen Veranstaltung wie FeteBerlin eine unbillige Härte darstellt. Es soll weiterhin gelten, dass die Berechnung der Vergütungssätze (Lizenz) nach der Gesamtbesucherzahl erfolgt, wenn die genaue Angabe des Personenfassungsvermögens des Veranstaltungsplatzes nicht möglich ist. FeteBerlin möchte weiterhin das Gleichstellungsprinzip anwenden: für alle Standorte (Bühnen) sollen gleiche Bedingungen gelten.

Bitte nicht tanzen!

FeteBerlin hat so gesehen folgende Möglichkeiten die angekündigte GEMA-Tarifreform-Tariferhöhung umzusetzen:

  • bei Anwendung des Tarif U-K (Konzerte): Aufruf an die Besucher „Bitte nicht tanzen!“
  • egal ob Tarif U-K oder U-V: Berlin, die öffentliche Hand muss dann mehr Geld geben, die Projektzuwendung erhöhen
  • FeteBerlin lässt nur noch Musikformationen auftreten, die kein GEMA-Repertoire nutzen und beweist dies per Listeneinsendung, denn die GEMA unterstellt: jegliche Musik sei GEMA-pflichtig, der Veranstalter muss nachweisen, dass es GEMA-freie Musik ist (sogenannte GEMA-Vermutung)
  • bei Anwendung der Härtefallregelung max. 10% von den Einnahmen bzw. des Budgets, muss FeteBerlin sämtliche Medien bitten, nicht mehr die freiwilligen/ kostenfreien Ankündigungs-Trailer zu kreieren, da diese Maßnahmen in das Budget als geldwerte Leistung eingerechnet werden

Idee für eine andere „Tarifreform“:

Für die Sicherung und die Weiterentwicklung der Fête de la Musique – dem Tag der Musik in Deutschland wünscht und beantragt FeteBerlin, Fête Company hiermit für alle Fête de la Musique zelebrierenden Städte und Gemeinden in Deutschland das gleiche Prinzip wie in Frankreich, nämlich eine Lizenzbefreiung am 21. Juni anlässlich und unter dem Namen Fête de la Musique. Bitte stimmen Sie auf ihrer nächsten GEMA-Mitgliederversammlung darüber ab, der Fête de la Musique in Deutschland analog zu Frankreich/ SACEM eine Lizenzbefreiung als GEMA-Beitrag zur Kultur- und Nachwuchsförderung zu gewähren.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

mit freundlichen Grüßen, Simone Hofmann

Dachorganisation FeteBerlin/ Fête de la Musique, bevollmächtigt durch den Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
Lizenzgeber (kostenfrei, ohne Lizenzgebühr) für Fête de la Musique in Deutschland

Fête Company, Wallstr. 15a, 10179 Berlin
Kontakt/ Asp: Simone Hofmann

Tel: (030) 417 15 289, e-mail: hallo@fetedelamusique.de

http://www.fetedelamusique.de, http://www.festdermusik.de

Information zu Fête de la Musique in Frankreich, SACEM

http://www.sacem.fr/cms/home/utilisateurs/mon-accueil/utilisateurs-actualites/actualites-utilisateurs/fete-musique-2012

Can one obtain a donation or a free authorization from SACEM?

Yes, but only in specific cases:

  • for events benefiting humanitarian, philanthropic or social causes, such as soup kitchens, telethons, fund-raisers for victims of natural disasters…
  • within the framework of agreements signed with certain music societies and fire brigades, a donation, based on the right amounts paid, is granted when this sum of money is used to buy musical instruments or equipment;
  • SACEM gives free authorizations to some events that have a small budget and no revenues, such as the Fête de la Musique, charitable events organized by municipalities or nonprofit organizations they subsidize

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